Quergedacht

Ich habe mich in das Abenteuer Freelance gestürzt. Was mich dazu angetrieben hat und wie es mir bisher erging? Ein Resümee nach einem Jahr in der Selbstständigkeit.

Zwischen ständiger Erklärungsnot und dem Drang nach Veränderung

3,5 Jahre in einem Fashion Start-Up, 1,5 Jahre im internationalen Großkonzern, 6 Monate in einer Agentur für Markenführung, und nun: der Schritt in die Selbstständigkeit. Was mich dazu bewegt hat? Schon immer war ich für vieles zu begeistern und konnte mich nur schwer auf eine bestimmte Sache festlegen. Ich brauche die stetige Veränderung für neue Energie und Motivation. Wohingegen sich dieser Veränderungsdrang zunächst in neuen Frisuren oder Umräumaktionen der Wohnung äußerte, hat sich dieses Verhalten auf den Job übertragen. Nach anfänglicher Euphorie war die Motivation schnell verflogen und feste Arbeitszeiten und Routine nahmen mir die Freude am Arbeiten. So kam ich immer wieder in dieselbe Situation für Freunden, Familie und Bekannte, aber auch vor allem mich selbst eine plausible Erklärung zu finden, warum ich mit meiner Arbeitssituation nicht zufrieden bin und eine Veränderung suche. Ob ich irgend eine Entscheidung bereut habe? Niemals. Jede Entscheidung und jede Erfahrung hat mich dem Schritt in die Selbstständigkeit näher gebracht. Mit jeder meiner Entscheidungen habe ich unglaublich viel über mich selbst gelernt und reflektiert, was mir wichtig ist, wer ich bin, was mich ausmacht, was ich nicht möchte und wie ich mir meine Zukunft vorstelle.

Vom großen Abenteuer, sich selbstständig zu machen

Ich muss mich entscheiden. ich kann mich nicht entscheiden. Wage ich den Schritt ins Ungewisse oder verlasse ich mich lieber auf die Sicherheiten einer Festanstellung. Warum zum Teufel kann ich mich eigentlich nicht endlich mal mit irgendetwas zufrieden geben. Ich hab doch schon viel erreicht. Warum immer weiter, anders, mehr und ohne Ruhe. Ungefähr das ging täglich in mir vor, bevor ich beschloss mich selbstständig zu machen. Wochenlang, quatsch monatelang. Nachdem ich aber verstanden haben, dass meine Unzufriedenheit bei der Arbeit vor allem durch meine persönlichen Ansprüche entstand und ich angefangen habe das – und damit auch mich – zu akzeptieren, war die Entscheidung leicht zu treffen: immer auf das Herz hören! Ich bin ein freiheitsliebender Mensch, immer neugierig auf Unbekanntes, interessiert an einer Vielzahl unterschiedlicher Themen und dem Willen über mich hinaus zu wachsen. Warum also nicht genau das zu meinem Vorteil nutzen? Gedanklich war ich also immer einen Schritt weiter als was mir die Festanstellung bieten konnte.

Tag 1: eine emotionale Achterbahnfahrt

Man weiß nicht, was auf einen zukommen wird. Es kann alles oder nichts passieren. Wecker stellen oder einfach liegen bleiben? An den Schreibtisch oder auf die Couch? Meine Gedanken kreisten zwischen Euphorie, Verzweiflung und Versagensängsten. Sobald man den Kopf aber auszuschalten weiß und einfach mal macht, merkt man ganz schnell, dass vieles möglich ist. Und mit dem Gang zum Finanzamt, zig Telefonaten und endlos erscheinendem Papierkram zu Versicherungen, Steuern oder Krankenkasse, regelt sich das meiste ganz von alleine. Inzwischen habe ich meinen Weg gefunden, schätze die freie Zeiteinteilung und genieße es den Tag mit einem gemütlichen Hundespaziergang zu beginnen.

Was bedeutet Erfolg für mich persönlich?

Erfolg bedeutet für mich nicht eine bestimmte Gehaltsklasse oder steile Karriereleiter, sondern drückt sich viel mehr über Persönlichkeit und Zufriedenheit bei der Arbeit aus. Glück und Erfolg gehören für mich unmittelbar zusammen, denn der einzige Weg, großartige Arbeit zu leisten, ist zu lieben, was man tut. Chapeau Steve Jobs!

Resümee: Die neugewonnene berufliche Freiheit

Anstatt mich auf die endlose Suche nach meiner Traumposition zu machen und mich auf die Führungskompetenz von Vorgesetzten zu verlassen, habe ich also beschlossen meine Vorstellung von guter Arbeit in die eigene Hand zu nehmen. Ich habe meine Themenschwerpunkte festgelegt, meinen Arbeits-Rhythmus gefunden, mein Home Office eingerichtet und alles so gestaltet, dass ich mich damit wohlfühle. Besser kann es im Moment nicht laufen. Freiberuflich zu arbeiten, heißt bei all den Pflichten und Fallstricken eben vor allem auch eins: der Selbstverwirklichung näher zu kommen.

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