Quergedacht

»Und, was denkst du über Uganda?« 

Was denke ich über Uganda? Jetzt im Ausklang, zum Schluss? Eine Frage, die mir in 5 Wochen unzählige Male gestellt wurde, mit den immer gleichen erwartungsvollen Augen. Eine Frage die mir auch zurück zuhause, immer noch weiter Schwierigkeiten bereitet. Ich möchte gerne antworten und kann es nicht. Was denke ich über Uganda? Über dieses Land, das mich verwirrt und das keine schlichte Antwort zulässt? Es gibt so viel, was ich sagen möchte.

Ich könnte sagen, dass ich Angst hatte, in das Land zu reisen und wie lächerlich ich mich anfangs aufführte. Wie ich mich bei meiner Ankunft und den ersten Erkundungstouren fürchtete, als privilegierte weiße Frau alleine. Wie ich auf dem Boda saß und auf meiner Unterlippe herumkaute und mich von meinen Klischees einwickeln ließ. Aber nichts bedrohte mich. Gar nichts. Kein hässliches Wort, keine Gefahr. Ich saß nur auf dem Boda und ließ die Stadt vorbeirauschen. 

Ich könnte erzählen, dass die “African Massage” durch Schlaglöcher in den Straßen nicht wirklich wohltuend war. Und wie mir manchmal die Luft weg blieb, durch den Staub, der auf den roten Straßen umhergewirbelt wird.

Ich könnte sagen, dass Uganda mich wütend macht. Dass ich das Schulsystem und die Ignoranz der Regierung nicht verstehe. Dass ich es auch gar nicht verstehen will. Warum so viele Menschen noch immer Analphabeten sind und Krankheiten wie HIV das Leben bestimmen. Ich könnte sagen, dass ich nicht akzeptieren werde, dass noch immer so viele Kinder nicht zur Schule gehen können. 

Habe ich nach fünf Wochen überhaupt irgendetwas verstanden? 

Ich könnte erzählen, wie ich ich Uganda das Tanzen lernte. Nicht nur bisschen zur Musik wippen, sondern mit vollem Körpereinsatz. Kopf aus, Musik an. In voller Lautstärke. Ich könnte sagen, dass ich manchmal genervt war, von der Musik die überall in der Stadt, in den Restaurant und den Clubs in einer nicht auszuhaltender Lautstärke dröhnte. Céline Dion und Enrique Iglesias an jeder Ecke. Und in jedem Uber. Sogar in der Nacht im Hotel, wo jeder eigentlich nur schlafen wollte. #ugandaiskiddingme 

Ich könnte sagen dass ich neugierig bin, was die Stadt Kampala künstlerisch und kulturell noch alles zu bieten hat. Ich könnte sagen wie sehr ich den Geschmack von Erdnusssoße mag, die den Reis und die Süßkartoffeln bedeckt. Ich könnte sagen dass ich inspiriert war, von den vielen unterschiedlichen Farben und Mustern der bunten Gewänder, die die Frauen trugen. Und von den wuseligen Straßen und Märkten, voller Leben in der Stadt.

Ich könnte sagen, dass ich mich manchmal verloren fühlte, doch selten verloren ging. Ich könnte sagen, dass es für mich als Europäerin leicht war, denn die Ugandesen zeigten immer große Hilfsbereitschaft.

Ich könnte sagen, dass ich überwältigt war von der Großzügigkeit des Landes und der Gemeinschaft in den lokalen Communities. Ich könnte sagen, dass es mich zutiefst beeindruckt hat, mit welcher Dankbarkeit, Gastfreundschaft und Großzügigkeit die Frauen und Kinder des Projekts ihre Besucher willkommen heißen. Ich könnte sagen, dass es mich nachdenklich gestimmt hat, dass die Menschen in den Slums vermeintlich wenig haben, aber alles geben. Ich könnte erzählen, wie sehr ich es genossen habe, mit den Kindern zu tanzen, spielen, toben und Blödsinn machen. Es ist unglaublich, wie man in kurzer, aber intensiver Zeit tiefe Freundschaften und Liebe zu Menschen aufbaut.

Ich könnte erzählen wie mein Herz stehen blieb, als ich einer Löwin direkt in die Augen blickte. Nur fünf Meter von mir entfernt. Wie ein 3,5 Tonnen schweres Nilpferd plötzlich aus einer Pfütze auftauchte und mich Murchison Falls mit seiner Gewalt emotional umgehauen hat.

Ich könnte sagen, dass ich mich in Uganda verliebt habe. In die Einwohner, in die Landschaft. In die Gastfreundschaft und Großzügigkeit. In die Gemeinschaft und das Miteinander. In das Tanzen und Jubeln. 

Ich könnte von strahlenden und weinenden Gesichtern erzählen. Meine Hand in den Händen der Kinder. Ich könnte sagen, dass sich meine schwarz-weißen Vorstellungen in tausendundeine Graustufen aufgelöst haben. Und wie mich Uganda berührt. Noch immer. Wie die Erinnerungen Seele und Kopf und alles anfassen. Ich könnte antworten, dass mein herz randvoll ist mit Uganda. Aber ich tue es nicht. Ich kann die Worte nicht greifen, in keiner Sprache. Deswegen sage ich nur: Uganda muss man selber sehen und erleben. Am eigenen Leib erfahren.

Vielen Dank Steffi und Stella für eure Liebe für dieses Land, das ihr uns mit großer Begeisterung und Leidenschaft gezeigt habt. Danke an all die Herzensmenschen und Freunde, die ich in Uganda treffen durfte. Und die gemeinsamen Momente, die man nie mehr wieder vergisst!

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